Das “Gipfeltreffen” wurde den Erwartungen mehr als gerecht

Das "Gipfeltreffen" wurde den Erwartungen mehr als gerecht

Mit der Russischen Nationalphilharmonie unter der Leitung ihres Chefdirigenten Vladimir Spivakov hatten die "MPDV-Classics" am Samstagabend erneut einen der renommierten Klangkörper weltweit nach Mosbach geholt. Der aus China stammende Starpianist Haiou Zhang komplettierte das musikalische "Gipfeltreffen" in der Alten Mälzerei. Mosbach.

Noch nie zuvor hat die Alte Mälzerei ein so großes Orchester beherbergt. Mit der Russischen Nationalphilharmonie unter der Leitung ihres Chefdirigenten Vladimir Spivakov hatten die "MPDV-Classics" in diesem Jahr erneut einen der renommierten Klangkörper weltweit nach Mosbach geholt. Ein durch und durch russischer Abend versprach es zu werden, mit der 5. Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893) und seinem berühmten Klavierkonzert Nr.1 mit dem Ausnahmepianisten Haiou Zhang als Solisten, der bereits im vergangenen Jahr mit seinem phänomenalen Soloprogramm in der Mälzerei für Aufsehen gesorgt hatte.

Um über 80 Musiker und einen großen Bechstein-Konzertflügel unterzubringen, hatte die Mälzereibühne durch ein Podest deutlich vergrößert werden müssen. Der Klang, den dieses sensationelle Orchester entwickelte, ließ das Publikum schon in den ersten Takten dahinschmelzen. Mit Tschaikowskys "Dornröschenwalzer" - eigentlich einem perfekten Zugabenstück - starteten Vladimir Spivakov und seine Musiker in den Abend, Nach diesem raffinierten "Amuse gueule", bei dem - ungewöhnlich, aber wirkungsvoll - zunächst einmal das Orchester allein in den Vordergrund gestellt wurde, folgte der erste Hauptgang und damit der mit großer Spannung erwartete Auftritt des Solisten Haiou Zhang.

Kaum ein anderes Klavierkonzert hat eine so wuchtige und einprägsame Einleitung wie dieses, mit vollgriffigen Akkorden über die gesamte Klaviatur. Tschaikowsky hat in seinem 1. Klavierkonzert Motive aus russischen und französischen Volksliedern zitiert und einen wahren Melodienreigen, aber auch ein Virtuosenstück für absolute Könner erschaffen.

Der in China geborene und heute in Norddeutschland lebende Starpianist Haiou Zhang ist jedoch weit mehr als nur ein Virtuose, der auch die unglaublichsten Höchstschwierigkeiten mit unfehlbarer Treffsicherheit hindonnern kann. Seine Qualitäten als Klangzauberer der leisen Töne konnte er hier in den Kadenzen und im leisen Mittelsatz zeigen, in denen das Klavier subtil und wunderschön mit dem Orchester und vor allem mit den Holzbläsern korrespondierte.

Nach dem wirbelnden Feuerwerk des Finalsatzes brach ein Sturm der Begeisterung los, die Zuhörer feierten den Solisten mit stehenden Ovationen, für die er sich mit gleich zwei entzückenden und selbst arrangierten Zugaben bedankte: Camille Saint-Saëns’ "Schwan" und einem wienerisch-spritzigen Johann-Strauss-Cocktail.

Auch Tschaikowskis 5. Sinfonie strotzt nur so von griffigen Melodien, die ins Ohr gehen. Chefdirigent Vladimir Spivakov, selbst ein renommierter Geiger, prägte mit seinem eleganten Stil den Klang des erst 2003 gegründeten Orchesters. Aufregend, wie präzise und klangschön die hervorragenden Bläser des Orchesters ihre Soli zelebrierten, wie sensibel und differenziert die große Streicherbesetzung ihre klanglichen Möglichkeiten einsetzte. Da wird genau und transparent, aber auch saftig und überaus kraftvoll musiziert, großartig! Das Publikum war hin und weg, der Applaus gigantisch.

Eigens für die Zugaben hatte man noch Extramusiker mitgebracht, eine Harfenistin für den berühmten Pas de deux aus dem "Nussknacker" und einen Solotrompeter für den Neapolitanischen Tanz aus "Schwanensee". Als Dessert zum Abschied kredenzten Vladimir Spivakov und seine unermüdlichen Musiker aber keinen weiteren Tschaikowski, wie man es vielleicht erwartet hätte, sondern den Ungarischen Tanz Nr. 5 vom Brahms.

Von Pia Geimer, Rhein Neckar Zeitung

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